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Positiv Leben – über das HI-Virus hinaus | Matthias Gerschwitz liest aus seinem Buch „Endlich mal was Positives“ und proklamiert eine optimistische Einstellung zum positiven Leben
“Warum dauert die Karnevalszeit eigentlich fünf Monate und der Aufklärung über AIDS werden 24 Stunden eingeräumt – wo doch das HI-Virus 465 Tage im Jahr aktiv ist?” überspitzte Matthias Gerschwitz gestern während der Lesung in Lehmanns Buchhandlung (Hannover) anlässlich des Welt-AIDS-Tages. Eigentlich gibt er die Antwort darauf selbst: In seinem 2009 veröffentlichten Buch „Endlich mal was Positives“ tritt er für eine optimistische Lebenshaltung trotz HIV-Infektion ein. Dem Virus sein Leben diktieren und nicht andersrum, könnte man das Credo formulieren. Alles also kein Problem mit AIDS?
Nicht ganz. Der Teufel steckt im Detail. Während in den 1980er und 90er Jahren ein AIDS-Todesfall den nächsten jagte und auch prominente Namen wie Freddy Mercury (Sänger von Queen), Rock Hudson (Schauspieler), Keith Haring (Graffiti-Künstler), um nur einige zu nennen, dazu gehörten, ist die medizinische Versorgung inzwischen so gut, dass man lange mit dem HI-Virus leben kann, ohne dass die Krankheit (AIDS) ausbricht und die zum Tode führenden Begleiterkrankungen herbeiführt. Doch was ist mit der Lebensqualität? Eine HIV-Infektion kann man keinem Menschen ansehen und trotzdem werden Betroffene stigmatisiert. Eine HIV-Infektion überträgt sich nicht im gewöhnlichen Alltagskontakt, aber das Virus unterscheidet auch nicht zwischen Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Religion oder ähnlichem. In Gerschwitz’ Bericht über sein Leben mit HIV wird deutlich, dass die Infektion, ähnlich einer Ausnahmesituation, das soziale Umfeld und den menschlichen Kontakt, den Umgang miteinander auf die Probe stellt. Aufgrund der verbesserten medikamentösen Behandlung lebe man nun länger und sterbe nicht einfach weg, witzelt Gerschwitz und fügt hinzu: „Vorurteile behindern dagegen das Miteinanderleben sehr.“ Dass das Leben mit HIV also doch nicht immer so einfach ist, wie es in der Lesung zuweilen klingt, hat der Autor in den vergangenen 16 Jahren selbst erfahren. Nur ist er eine Kämpfernatur – und möchte von dieser Energie gern etwas abgeben.
Damit ist sein Buch vor allem für Menschen gedacht, die erst kürzlich von ihrer Infektion erfahren haben, sowie deren Angehörige. Zudem leistet es einen wichtigen Teil der Aufklärungsarbeit und ist dementsprechend auch für die sogenannte „Allgemeinbevölkerung“ zu empfehlen. Denn „Zielgruppe“ – wer ist das schon? Jeder. HIV hat weder etwas mit Schicksal zu tun noch mit Selbstverschulden. Es ist eine Krankheit, eine unheilbare – genau wie Krebs, Leukämie, MS oder Diabetes. Auch diesen Problempunkt der Gesellschaftskommunikation über HIV und AIDS betrachtet Gerschwitz in seinem Buch – und das mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und Humor.
„Oh, da haben Sie es aber schwer.“ habe ein Arzt betreffend Gerschwitz’s Infektion gesagt. Der jedoch konterte: „Nein, die Viren wiegen ja nicht so viel.“ Einige Zuhörer lachen, andere erschrecken über den Galgenhumor. Damit leistet das Buch einen wichtigen Schritt: Es erleichtert, über das Thema HIV in Kommunikation zu treten, sowohl zwischen Betroffenen als auch Nicht-Infizierten. „Die Darstellung eines Lebens mit HIV wird im Buch weder dramatisiert noch verharmlost.“ lobt Barbara Krzizok von der Hannöverschen AIDS-Hilfe. Es erzählt Anekdoten und vermittelt Basiswissen, ist sehr reflektiert aber in schlichtem Duktus geschrieben und mit 96 Seiten ein leichter Einstieg ins Thema. „Endlich mal was Positives“ stellt also eine durchaus gelungene Handreichung dar, sich über die Infektion und ein Leben damit zu informieren.
Mehr zu Autor und Buch gibt’s hier.
Die Lesung war eine Veranstaltung des Hannöversche AIDS-Hilfe e.V. anlässlich des Welt-AIDS-Tages. Am Freitag, 3.12.2010, wird ein Benefizkonzert mit der Rockband PLANET EMILY zugunsten der Hannöverschen AIDS-Hilfe stattfinden.
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